Notfallmanagement und Szenarien
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Notfallmanagement und Szenarien
Ein wirksames Notfallmanagement kombiniert präventive Vorbereitung, klare Alarm- und Meldewege, geübte Sofortmaßnahmen und eine strukturierte Nachsorge. Die folgenden Handlungsempfehlungen sind auf typische Labor-, Werkstatt- und Technikbereiche zugeschnitten und priorisieren den Schutz von Menschen, Umwelt und Sachwerten ohne Eigengefährdung.
Notfallmanagement: Vorbereitung und Reaktionsstrategien
- Grundprinzipien und Alarmwege
- Sofortmaßnahmen
- Thermal Runaway
- Quecksilberbruch
- Explosionsgefahr
- Nadelstichverletzung
- Asbestfunde
- Maschinenunfälle
- Kältemittelvorfälle
- Alarm- und Meldewege
- Nachsorge und Wiederanlauf
Grundprinzipien und Alarmwege
Eigenschutz hat Vorrang: Nur Maßnahmen durchführen, die ohne erhebliche Eigengefährdung möglich sind. Geeignete PSA anlegen (Handschutz, Augenschutz, ggf. Atemschutz).
Alarm auslösen: Interne Notrufnummer/Brandmelder betätigen; externe Hilfe über 112 anfordern (Feuerwehr/Rettungsdienst). Polizeiliche Unterstützung über 110 bei Bedarf.
Räumung und Absperrung: Betroffene Bereiche räumen, Türen schließen (Rauch-/Brandabschluss), Zugänge sichern, Sammelplatz ansteuern.
Informationsweitergabe: Ort, Art des Ereignisses, betroffene Stoffe/Anlagen, Anzahl der Personen, besondere Gefahren (z. B. Gasflaschen, Li‑Ion‑Akkus) sowie Rückrufnummer mitteilen.
Interne Meldung: Unverzüglich an Vorgesetzte, Fachkraft für Arbeitssicherheit, Brandschutz-/Gefahrstoffbeauftragte und Betriebsarzt. Expositionsverdacht zusätzlich an das zuständige Giftinformationszentrum.
Dokumentation: Ereignis, Maßnahmen und Beobachtungen zeitnah schriftlich festhalten. Für Beinaheereignisse gilt dieselbe Meldepflicht (Lernkultur).
Sofortmaßnahmen bei Leckagen
Unklare oder gefährliche Stoffe: Bereich sofort räumen, Türen schließen, Lüftung (falls sicher) aktivieren, Zündquellen ausschalten, 112 rufen.
Chemikalienleck (klein, bekannt, beherrschbar): PSA: Chemikalienschutzhandschuhe, Schutzbrille, ggf. Schutzkittel und Atemschutz.
Quelle stoppen, wenn gefahrlos möglich (Hahn schließen, Behälter aufrichten, Dichtkissen).
Ausbreitung verhindern (Auffangkanäle, Bindemittel), Eintrag in Abflüsse verhindern (Ablaufabdeckungen).
Mit geeignetem Bindemittel aufnehmen (lösungsmittelbeständig, säure-/laugenfest) und als Gefahrstoffabfall entsorgen.
Bereich lüften, Oberflächen dekontaminieren nach Sicherheitsdatenblatt.
Gasleck: Ventil schließen, Flasche sichern, Bereich sofort räumen, keine elektrischen Schalter betätigen.
Nicht funkenbildende Werkzeuge verwenden, Lüften, Messungen nur durch geschultes Personal.
Wasserleck: Stromquellen sichern (Freischalten), Wasserzufuhr abstellen, Leckage eindämmen. Elektroinstallationen nicht berühren.
Brände und Lithium‑Ionen‑Thermal Runaway
Allgemeine Brandmeldung: Alarmieren (interner Alarm, 112), Personen retten ohne Eigengefährdung, Brandabschnitt schließen, Evakuieren. Erstbekämpfung nur mit geeignetem Gerät und Fluchtweg im Rücken.
Passender Löscher: Wasser (A), Schaum (A/B), CO2 (B, bei elektrischen Anlagen), Pulver (A/B/C). Nach Löscher-Einsatz auf Rückzündung achten.
Lithium Ionen Akkus: Frühsymptome: Aufblähen, Zischen, stechender Geruch, Rauchentwicklung, Wärme.
Maßnahmen: Sofort räumen, Tür schließen, 112 alarmieren. Frühzeitig auf HF-Risiko und toxische Zersetzungsprodukte hinweisen.
Wenn gefahrlos: Gerät in feuerfeste Auffangwanne oder Li Ion Brandschutzbox verbringen; ggf. mit Sand abdecken. Kein luftdichtes Verschließen glühender Zellen.
Kühlung ist zentral: Große Wassermengen zur Kühlung benachbarter Akkus/Module können Ausbreitung verhindern. Pulverlöscher löschen Flammen, kühlen aber schlecht.
Bereich intensiv lüften; Re-Inspektionsintervalle wegen Spätzündung beachten.
Exposition: Bei Verdacht auf HF-Kontakt Haut mit Wasser spülen und nach hausinterner Regel Calciumglukonat-Gel anwenden; ärztliche Beurteilung unverzüglich.
Quecksilberbruch
Bereich absperren, lüften, Personen fernhalten. Keine Staubsauger oder Besen verwenden.
PSA: Chemikalienschutzhandschuhe, Schutzbrille; bei größeren Mengen zusätzlich Atemschutz (P2/P3) und Überschuhe.
Sammeltaktik: Kugeln mit Kartonstücken zusammenschieben, Pipette/Spritze ohne Kanüle aufnehmen, Klebeband für kleinste Tröpfchen nutzen.
Schwefelpulver oder kommerzielle Hg-Bindemittel auftragen, einwirken lassen, aufnehmen.
Abfall luftdicht verschließen, etikettieren, als Schwermetallabfall entsorgen.
Poröse Materialien (Fugen, Holz): Freilegen/Entsorgen durch Fachfirma. Raumfreigabe ggf. nach Hg-Dampf-Messung.
Explosionsgefahr durch Lösungsmitteldämpfe
Anzeichen: Starker Lösemittelgeruch, Messgerätealarm, Kondensation, Kopfschmerz/Schwindel.
Maßnahmen: Zündquellen ausschalten/vermeiden (keine Schalter betätigen, keine Funken, kein offenes Licht).
Bereich sofort räumen, tief liegende Bereiche lüften (Dämpfe oft schwerer als Luft), Türen geöffnet, aber nicht einschlagen.
Leck stoppen nur mit Ex-geeigneter Ausrüstung und wenn gefahrlos. Erdung/Potentialausgleich sicherstellen.
112 alarmieren; Explosionsgrenzen (LEL) beachten; keine Ersthelfermaßnahmen innerhalb explosiver Atmosphäre.
Nadelstichverletzung
Sofortmaßnahmen: Wunde bluten lassen, nicht aussaugen. Mit Wasser und Seife waschen, anschließend geeignete Hautdesinfektion.
Schleimhaut-/Augenkontakt: Mit Wasser/NaCl spülen (mind. 10–15 Min.).
Meldung: Unverzüglich Vorgesetzte und Betriebsarzt informieren; Dokumentation im Verbandbuch/Unfallanzeige.
Medizinische Abklärung: Erhebung des Expositionsrisikos, ggf. serologische Basisdiagnostik (HBV, HCV, HIV) beim Betroffenen und, nach Aufklärung/Einwilligung, bei der Quelle.
Postexpositionsprophylaxe gemäß ärztlicher Einschätzung: Sofortige HBV-Impfung/Immunglobulin je nach Status; HIV-PEP möglichst binnen 2 Stunden beginnen.
Nachsorge: Kontrolluntersuchungen nach arbeitsmedizinischem Standard; psychologische Unterstützung anbieten.
Asbestfunde
Verdacht genügt: Arbeit sofort einstellen, Bereich absperren, nicht berühren, nicht reinigen, keine Druckluft verwenden.
Lüften ohne Luftverwirbelung; Beteiligte verlassen den Bereich, grobe Staubfreisetzung vermeiden.
Meldung: Gebäudemanagement/Asbestverantwortliche und Arbeitssicherheit informieren. Probenahme und Sanierung nur durch zugelassene Fachbetriebe.
Bei möglicher Faserfreisetzung: Nur für unvermeidbare Sicherungsmaßnahmen partikelfiltrierende Halbmasken (mind. FFP3) und Einwegschutzkleidung verwenden.
Maschinenunfälle
Not-Halt betätigen, Energiequellen freischalten und gegen Wiedereinschalten sichern (Lockout/Tagout).
Erste Hilfe: Schwere Blutungen stillen (Druckverband/Tourniquet nach Schulung), stabile Seitenlage bei Bewusstlosigkeit, 112 alarmieren.
Einklemmungen: Maschine nur durch geschultes Personal sichern/demontieren; keine unkontrollierten Befreiungsversuche.
Nachsorge: Unfallstelle sichern, keine Änderungen ohne Freigabe; Ereignis dokumentieren; psychosoziale Unterstützung organisieren; Ursachenanalyse und Maßnahmenplan.
Allgemein: Erstickungsgefahr in Bodennähe (HFKW, CO2), Kälteverbrennungen, ggf. Toxizität (NH3) oder Explosivität (Propan/Isobutan).
Maßnahmen nach Kältemittel: HFKW/HFO (z. B. R134a, R1234yf): Bereich räumen, tief liegend lüften, keine Zündquellen. Hautaugenkontakt: langsam erwärmen, mit lauwarmem Wasser spülen, sterile Abdeckung.
Ammoniak (R717): Stark reizend/toxisch: Nur mit umluftunabhängigem Atemschutz (PA) tätig werden; ansonsten sofort räumen, 112 alarmieren. Wassernebel zur Absorption/Abdrängung, kontaminierte Kleidung entfernen, Haut/ Augen ausgiebig spülen.
Kohlendioxid (R744): Gefahr akuter Erstickung: Bereich räumen, Lüftung, bewusstlose Personen nur mit Eigenschutz bergen.
Kohlenwasserstoffe (R290/R600a): Explosionsgefahr: Keine Funken/Zündquellen, Ex-Schutz beachten, räumen, lüften, 112.
Lecksuche und Instandsetzung ausschließlich durch befähigte Personen; Freigabe des Bereichs nach Messung.
Alarm- und Meldewege im Überblick
Interner Alarm: Hausinterner Notruf (z. B. 333), Brandmelder, Evakuierungsalarm auslösen.
Externer Notruf: 112; bei besonderen Lagen zusätzlich 110.
Informationskern für Notruf:
• Wer meldet (Name/Funktion, Rückrufnummer)
• Was ist passiert (Art des Ereignisses, betroffene Stoffe/Anlagen)
• Wo ist es passiert (Gebäude, Ebene, Raum)
• Wie viele Betroffene (Verletzte, Vermisste)
• Welche Gefahren bestehen (Explosion, toxische Gase, HF, Gasflaschen)Interne Benachrichtigung: Vorgesetzte, EHS/Arbeitssicherheit, Betriebsarzt, Gefahrstoff-/Brandschutzbeauftragte, Gebäudemanagement.
Dokumentation und Reporting: Unfallanzeige, Expositionsprotokolle, Meldung an Unfallversicherungsträger, Lessons-Learned-Workshop.
Nachsorge und Wiederanlauf
Medizinische Bewertung und Monitoring bei Expositionen.
Technische Freigabe: Messungen (z. B. Explosionsgefahr, Hg-Dampf, Ammoniak), Sichtprüfung, Funktions- und Dichtigkeitsprüfungen.
Ursachenanalyse (z. B. nach ICAM/Bow-Tie), Ableitung von technischen, organisatorischen und personenbezogenen Maßnahmen.
Schulung/Unterweisung und Übungen aktualisieren; Notfallmaterial (Spill-Kits, Löscher, HF-Gel, Absperrmaterial) prüfen und auffüllen.
