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Qualität: KPIs, Audits

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Qualitätsmanagement in der Entsorgungswirtschaft

Qualitäts- und Sauberkeitsanforderungen

Qualität im Betrieb von Gefahrstoff- und Abfallprozessen wird durch klar definierte Anforderungen an Prozessstabilität, Produktsicherheit sowie Arbeitsplatz- und Umgebungsreinheit sichergestellt. Sauberkeitsstandards sind risikobasiert festzulegen: Für Bereiche mit Gefahrstoffexposition gelten strengere Anforderungen (z. B. tägliche Nassreinigung, validierte Reinigungsverfahren, dokumentierte Freigabe nach Reinigung). Für Sammel- und Sortierbereiche sind Sauberkeitsklassen (z. B. A–C) mit messbaren Akzeptanzkriterien zu definieren, etwa Oberflächenstaublast, Geruchsemissionen, Sichtkontamination, Schädlingsfreiheit.

Reinigungs- und Desinfektionspläne enthalten:

  • Verantwortlichkeiten, Intervalle, Methoden und Freigabeschritte

  • Chemikalien und Hilfsmittel inkl. Sicherheitsdaten und Kompatibilität

  • Dokumentationsanforderungen (Checklisten, digitale Erfassung)

  • Eskalationsregeln bei Nichterfüllung

Hinweis:

Zur Prozessqualität gehören zudem definierte Wareneingangskontrollen, Sortier- und Abfüllspezifikationen, Kennzeichnungskonzepte, sowie die lückenlose Rückverfolgbarkeit von Chargen und Behältern. Visuelles Management (5S, Farbleitsysteme, Piktogramme) reduziert Fehlhandlungen und unterstützt die Einhaltung der Sauberkeit.

Kennzahlen steuern die kontinuierliche Verbesserung. Zentrale KPIs sind:

  • Fehlwurfquote (FWQ): Anteil falsch zugeordneter Fraktionen an der Gesamtmenge eines Stroms. Formel: FWQ = (Masse Fehlwürfe / Gesamtmasse) × 100 %. Alternativ als Inzidenz pro Behälter oder pro 1.000 Einheiten. Zielwerte sind bereichsspezifisch (z. B. FWQ < 3 % in vorgereinigten Strömen; < 1 % bei Gefahrstofftrennung).

  • Reinheitsgrad: 100 % – FWQ; ergänzend stichprobenbasierte Qualitätsindizes (z. B. Fremdstoffanteile, Feuchte, Dichte).

  • Vorfallstatistik: Erfassung von Beinaheereignissen, Abweichungen, Arbeitsunfällen, Expositionen, Leckagen, Umweltereignissen. Auswertung nach Schweregrad, Ursache, Ort und Zeit; Leading Indicators (Beinaheereignisse pro 10.000 Arbeitsstunden) sind verpflichtend.

  • Prozess-KPIs: Auditkonformitätsquote, Unterweisungsabdeckung gemäß TRGS 555, Erledigungsrate von CAPA innerhalb Frist, Erstlösungsquote, Wiederholfehler-Rate, Durchlaufzeiten von Freigaben.

Hinweis:

Die Datenerhebung erfolgt standardisiert (SPC-tauglich), mit Plausibilitätschecks, Zeitstempel und Verantwortlichen. Visualisierung über Control Charts, Pareto-Analysen und Heatmaps ermöglicht gezielte Interventionen. Monatliche Reviews verankern die PDCA-Logik.

Interne Audits dienen der Wirksamkeitsprüfung von Betriebsanweisungen und der Information der Beschäftigten gemäß TRGS 555. Auditumfang:

  • Vorhandensein, Aktualität und Zugänglichkeit von Betriebsanweisungen an Arbeitsplätzen; sprach- und adressatengerechte Gestaltung, eindeutige Bezugnahme auf Gefahrstoffe, Tätigkeiten, Schutzmaßnahmen und Verhalten im Notfall.

  • Nachweis regelmäßiger, dokumentierter Unterweisungen (mind. jährlich sowie anlassbezogen), inklusive Verständniskontrollen.

  • Beobachtung von Tätigkeiten (Gemba-Walks) zur Überprüfung gelebter Praxis vs. Anweisung.

  • Kennzeichnung, Lagerung und Trennung von Stoffen/Abfällen, PSA-Verfügbarkeit und -Gebrauch, Notfallausrüstung.

  • Stichproben zu Fehlwürfen und Reinigungsstatus gegen definierte Standards.

Auditfrequenz:

risikobasiert (quartalsweise in Hochrisikobereichen, halbjährlich in Standardbereichen). Auditoren müssen unabhängig vom auditierten Bereich sein. Feststellungen werden in Schweregrade (kritisch/major/minor) klassifiziert; Fristen und Verantwortlichkeiten sind verbindlich. Ergebnisse fließen in die Gefährdungsbeurteilung und das Schulungsprogramm zurück.

Abweichungen und Vorfälle werden strukturiert bearbeitet:

  • Eindämmung: Sofortmaßnahmen zur Gefahrenabwehr und Prozesssicherung

  • Ursachenanalyse: 5-Why, Ishikawa, Fehlerbaum; Nutzung von Prozess- und Reinigungsdaten, Audit-Treffern und Near-Miss-Informationen

  • Korrekturmaßnahmen: Anpassung von Prozessen, Reinigungsplänen, Betriebsanweisungen, Layout/Behälter-Design, Schulungen

  • Vorbeugemaßnahmen: Poka Yoke (z. B. codierte Anschlüsse), visuelle Standards, digitale Checklisten, zusätzliche Prüfintervalle

  • Wirksamkeitsprüfung: definierte KPIs (z. B. FWQ-Reduktion um x % in 8 Wochen), Re-Audits, Stabilitätsnachweise über definierte Zeiträume

  • Lessons Learned: organisationsweite Verteilung, Integration in Onboarding und Unterweisungen

Hinweis:

Fristen, Ressourcen und Genehmigungen werden im eQMS nachverfolgt; Eskalation bei Verzug ist festgelegt.

Die Dokumentenlenkung gewährleistet, dass nur freigegebene, gültige Informationen verwendet werden:

  • Geltungsbereich: Betriebsanweisungen (TRGS 555), SOPs, Reinigungspläne, Checklisten, Formulare, Spezifikationen, Schulungsunterlagen, Aufzeichnungen

  • Lebenszyklus: Erstellung – fachliche Prüfung – QS/Arbeitsschutz-Freigabe – Veröffentlichung – Schulung – periodische Überprüfung – Archivierung

  • Versionierung: eindeutige Kennung und Versionsschema (Major.Minor.Patch, z. B. 2.3.1), Änderungsgrund, Datum, Autor, Prüfer, Freigeber; Revisionshistorie verpflichtend

  • Steuerung verteilter Kopien: zentrale Quelle (DMS/eQMS) mit Leserechten; automatische Sperrung veralteter Versionen; Kennzeichnung von Ausdruck als „nur gültig am Druckdatum“

  • Änderungsmanagement: formalisierte Change Requests, Impact-Analyse (Sicherheit, Qualität, Umwelt), Validierungsanforderungen, Kommunikations- und Schulungsplan

  • Aufbewahrung und Nachweis: revisionssichere Archivierung, Audit-Trail, Zugriffskontrolle, Metadaten; Fristen gemäß rechtlichen Vorgaben und internen Richtlinien

  • Verknüpfungen: Dokumente referenzieren relevante Gefährdungsbeurteilungen, Gefahrstoffverzeichnisse und Notfallpläne; QR-Codes an Arbeitsplätzen für schnellen Zugriff

Hinweis:

Durch die konsequente Anwendung dieser Elemente werden Qualitäts- und Sicherheitsziele messbar erreicht, regulatorische Anforderungen (u. a. TRGS 555) erfüllt und die kontinuierliche Verbesserung operativ verankert.