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Gewerbeabfallverordnung

Facility Management: Abfallmanagement » Entsorgung » Compliance » Gewerbeabfallverordnung

Gewerbeabfallverordnung für rechtskonforme Abfalltrennung und Entsorgung

Gewerbeabfallverordnung und betriebliches Abfall- und Entsorgungsmanagement

Stand: 3. Juni 2026, Deutschland.

Die Gewerbeabfallverordnung (GewAbfV) regelt vor allem, wie gewerbliche Siedlungsabfälle und bestimmte Bau- und Abbruchabfälle zu erfassen, zu trennen, vorzubehandeln, zu verwerten und zu dokumentieren sind. Sie betrifft insbesondere Abfallerzeuger und Abfallbesitzer, also Unternehmen, Einrichtungen, Baustellenverantwortliche sowie Betreiber von Vorbehandlungs- und Aufbereitungsanlagen.

Gewerbeabfallverordnung sicher umsetzen

Ziel der GewAbfV

Der Kern der Verordnung ist: Abfälle sollen möglichst getrennt gesammelt und hochwertig verwertet werden, insbesondere durch Vorbereitung zur Wiederverwendung oder Recycling. Eine gemischte Erfassung ist nur als Ausnahme gedacht. Das BMUKN beschreibt die GewAbfV als Instrument der fünfstufigen Abfallhierarchie; sie sieht bei Vorbehandlungsanlagen unter anderem eine Sortierquote von 85 Masseprozent und eine Recyclingquote von 30 Masseprozent vor.

Für Betriebe bedeutet das: Abfallmanagement ist nicht nur „Tonnen bestellen“, sondern ein dokumentiertes System aus Abfallvermeidung, Getrenntsammlung, Nachweisführung, Entsorgersteuerung und interner Kontrolle.

Zentrale Pflichten für gewerbliche Siedlungsabfälle

Gewerbliche Siedlungsabfälle sind Abfälle aus anderen Herkunftsbereichen als privaten Haushalten, die haushaltsähnlich sind, zum Beispiel aus Büros, Arztpraxen, Schulen, Kliniken, Verwaltungsgebäuden, Pflegeheimen oder gewerblichen Betrieben.

Grundsätzlich getrennt zu sammeln sind insbesondere:

Abfallfraktion

Beispiele

Papier, Pappe, Karton

Kartonagen, Büropapier, Verpackungspappe

Glas

Behälterglas, Flachglas nur je nach Herkunft/Regelung

Kunststoffe

Folien, Kunststoffverpackungen, Kunststoffteile

Metalle

Metallreste, Dosen, Späne

Holz

Paletten, unbehandeltes oder behandeltes Holz je nach Einstufung

Textilien

Stoffreste, Berufskleidung, textile Produktionsreste

Bioabfälle

unverpackte und verpackte Bioabfälle, Lebensmittelabfälle

weitere vergleichbare Fraktionen

zum Beispiel Leder, Kork, Rinden, bestimmte produktionsspezifische Abfälle

Die GewAbfV nennt diese Fraktionen ausdrücklich; seit der Änderung 2022 werden Bioabfälle zudem nach verpackten und unverpackten Bioabfällen differenziert.

Wann darf gemischt gesammelt werden?

Von der Getrenntsammlung darf nur abgewichen werden, wenn sie technisch nicht möglich oder wirtschaftlich nicht zumutbar ist. Typische Beispiele können fehlende Stellflächen, öffentlich zugängliche Sammelstellen mit nicht kontrollierbarer Befüllung oder sehr geringe Mengen einzelner Fraktionen sein. Diese Ausnahme ist zu begründen und zu dokumentieren.

Werden gewerbliche Siedlungsabfälle ausnahmsweise nicht getrennt gehalten, müssen die Gemische grundsätzlich unverzüglich einer Vorbehandlungsanlage zugeführt werden. Nach aktueller Fassung gibt es noch eine Ausnahme, wenn im Vorjahr eine Getrenntsammlungsquote von mindestens 90 Masseprozent erreicht wurde; die geplante Novelle sieht allerdings vor, diese 90-Prozent-Ausnahme zu streichen.

Dokumentationspflichten

Die Dokumentation ist ein zentraler Bestandteil der GewAbfV. Ein Betrieb sollte jederzeit nachweisen können, welche Abfälle anfallen, wie sie getrennt werden und wohin sie gehen.

Für die getrennte Sammlung sind typischerweise aufzubewahren:

Dokument

Zweck

Lagepläne

Standort der Sammelbehälter und Abfallanfallstellen

Fotos

Nachweis der tatsächlichen Getrenntsammlung

Liefer-, Wiege- und Übernahmescheine

Mengen- und Übergabenachweis

Entsorgererklärungen

Name, Anschrift, Masse und beabsichtigter Verbleib der Abfälle

Begründungen bei Abweichungen

technische Unmöglichkeit oder wirtschaftliche Unzumutbarkeit

Verträge und Rechnungen

Beleg der Entsorgungswege

Schulungsnachweise

Nachweis interner Umsetzung

Die Dokumentation muss auf Verlangen der zuständigen Behörde vorgelegt werden; bei gewerblichen Siedlungsabfällen kann die Behörde auch elektronische Vorlage verlangen. (Buzer)

Bau- und Abbruchabfälle

Für Bau- und Abbruchabfälle gelten eigene Getrenntsammlungspflichten. Getrennt zu erfassen sind insbesondere Glas, Kunststoff, Metalle, Holz, Dämmmaterial, Bitumengemische, Baustoffe auf Gipsbasis, Beton, Ziegel sowie Fliesen und Keramik. Für kleinere Bau- und Abbruchmaßnahmen entfällt die Dokumentationspflicht, wenn das Volumen der insgesamt anfallenden Abfälle 10 Kubikmeter nicht überschreitet.

In der Praxis ist hier ein Entsorgungskonzept vor Baubeginn wichtig: Rückbauplanung, Schadstoffprüfung, Containerkonzept, AVV-Abfallschlüssel, Entsorgungswege und Nachweise sollten vor Ort verfügbar sein.

Gefährliche Abfälle und Nachweisführung

Gefährliche Abfälle sind gesondert zu betrachten, etwa ölhaltige Betriebsmittel, Lösemittel, bestimmte Farben, Batterien, kontaminierte Verpackungen, Altchemikalien oder asbesthaltige Baustoffe. Das europäische Abfallverzeichnis kennzeichnet gefährliche Abfälle typischerweise mit einem Sternchen an der Abfallschlüsselnummer.

Für gefährliche Abfälle greifen zusätzlich die Nachweisverordnung und häufig das elektronische Abfallnachweisverfahren (eANV). Das elektronische Nachweisverfahren betrifft grundsätzlich diejenigen Abfallerzeuger, Besitzer, Beförderer, Einsammler und Entsorger, die Nachweise über die Entsorgung gefährlicher Abfälle führen müssen.

Ein funktionierendes Abfallmanagement sollte wie ein kleines Compliance-Management-System aufgebaut sein:

Baustein

Inhalt

Abfallkataster

alle Abfälle mit AVV-Schlüssel, Menge, Herkunft, Gefährlichkeit, Entsorgungsweg

Trennkonzept

Behälter, Farben/Labels, Standorte, Verantwortlichkeiten

Entsorgersteuerung

Verträge, Zertifikate, Genehmigungen, Entsorgungswege, Kosten

Dokumentation

GewAbfV-Nachweise, Wiegescheine, Übernahmescheine, eANV, Fotos

Schulung

Mitarbeitende, Reinigung, Lager, Produktion, Baustellenpersonal

Kontrollen

Begehungen, Fehlwürfe, Behälterzustand, Mengenentwicklung

Kennzahlen

Abfallmenge, Recyclingquote, Restabfallquote, Entsorgungskosten

Verbesserung

Abfallvermeidung, Mehrwegsysteme, sortenreine Erfassung, Lieferantenanforderungen

Ein Abfallbeauftragter ist nicht in jedem Betrieb Pflicht. Die Abfallbeauftragtenverordnung regelt, welche Unternehmen einen Betriebsbeauftragten für Abfall bestellen müssen und welche Anforderungen an Zuverlässigkeit und Fachkunde gelten; Behörden können im Einzelfall zusätzliche Anforderungen stellen.

Minimalanforderung für eine saubere Umsetzung:

  • Alle Abfallströme erfassen: Was fällt wo, wie oft und in welcher Menge an?

  • AVV-Schlüssel und Gefährlichkeit prüfen.

  • Getrenntsammlung für PPK, Glas, Kunststoff, Metall, Holz, Textilien, Bioabfälle und Sonderfraktionen einrichten.

  • Behälter eindeutig beschriften und an sinnvollen Stellen platzieren.

  • Mitarbeitende kurz und regelmäßig unterweisen.

  • Entsorgungsunternehmen prüfen: Genehmigung, Zertifizierung, Entsorgungsweg.

  • Liefer-, Wiege-, Übernahme- und Entsorgungsnachweise zentral ablegen.

  • Abweichungen von der Getrenntsammlung schriftlich begründen.

  • Monatlich Mengen und Fehlwürfe kontrollieren.

  • Jährlich Abfallbilanz, Kosten und Verbesserungsmaßnahmen auswerten.

Aktueller Hinweis zur Novelle

Die aktuell geltende GewAbfV wurde zuletzt durch Artikel 9 Absatz 3 des Gesetzes vom 30. September 2025 geändert.

Parallel läuft beziehungsweise lief ein Novellierungsprozess: Das BMUKN beschreibt als Ziele unter anderem strengere Vollzugstauglichkeit, Kennzeichnungspflichten für Sammelbehälter, stärkere Kontrollen der Getrenntsammlung, ein elektronisches Register für Vorbehandlungsanlagen und die Streichung der 90-Prozent-Getrenntsammlungsquote als Ausnahme von der Vorbehandlungspflicht. Laut BMUKN sollte die Verordnung nach Abschluss des Gesetzgebungsverfahrens zum 1. Juli 2026 in Kraft treten. Für verbindliche Entscheidungen sollte daher die Verkündung im Bundesgesetzblatt beziehungsweise die zuständige Landes- oder kommunale Abfallbehörde geprüft werden.